St. Leodegar Friedingen
Baugeschichte Turm Glocken Kirchturmuhr Altäre Orgeln Pfarrhaus/Scheuer Grabdenkmäler Bruderschaften
Die Pfarrkirche St. Leodegar wurde im Jahr 1728 erbaut. Älter als die Kirche selbst ist der Kirchturm. Er stammt ungefähr aus dem Jahre 1300 und blieb beim Bau 1728 von der damals abgerissenen Kirche erhalten.
Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kirche 1963/64. Hier wurde der westliche Teil abgerissen und in erweiterter Form wieder aufgebaut. Ein wohl einmaliger Vorgang hierbei war, dass die gesamte Anordnung des Kircheninnenraumes (Altäre, Kirchenbänke, Empore, etc.) um 180° gedreht wurde.
Durch den Erweiterungsbau wurde die Kirche vergrößert sowie teilweise mit Gemeinderäumen unterkellert.
Die letzte Erweiterung erfolgte 2003. Hier wurde die Kirche um einen Anbau erweitert, in dem ein Lift untergebracht ist. Die Kirche ist somit behindertengerecht zugänglich.
Von Mai-Oktober 2013 hat die Pfarrgemeinde Renovierungsarbeiten an Altar, Kircheninnenraum und Glockenstuhl durchgeführt. Am 14. Oktober 2012 feierten wir die Wiedereröffnung im Rahmen unseres Patroziniums.
Sie finden die Kirche St. Leodegar in der Beurener Str. 12 in 78224 Friedingen (Singen).
Nachfolgend werden Auszüge aus Kapitel 8, "Die Katholische Pfarrgemeinde St. Leodegar" mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchives Singen zitiert. Die Bilder wurden frei in den Text eingebaut.
Achtes Kapitel: Die katholische Pfarrgemeinde St. Leodegar
1. Die Kirche in Friedingen
Baugeschichte und Ausstattung der Pfarrkirche [hoch]
In Friedingen gab es wohl schon vor dem Jahre 1200 eine Pfarrei, denn im Jahre 1194 wird ein Pleban[1] oder Leutpriester[2] genannt. Um das Jahr 1300 wurde dann die Kirche gebaut, deren Turm heute noch steht. Der 30jährige Krieg haut auch hier seine Spuren hinterlassen, denn Pfarrer Johann Sauer sah sich 1632 genötigt, einen Zinnkelch anzuschaffen (nachdem alle anderen abhanden kamen). Nach dem Krieg wurde die Kirche notdürftig ausgebessert und die zwei neuerrichteten Altäre von Weihbischof Georg Sigismund Molotor am 5. August 1656 eingeweiht.
Die altersschwache frühere Kirche wurde 1728 bis auf den Turm abgebrochen und durch einen Neubau mit drei Altären ersetzt, und von Franz Johann Anton von Sigenstein, Suffragan[3] des Bischofs von Konstanz, eingeweiht.
Diese Kirche wurde 1898 unter Pfarrer Alois Forster mit einem Kostenaufwand von 12.000 Mark renoviert. Um Platz zu gewinnen, wurde die Empore nach vorne vergrößert, der Eingang dazu nach außen verlegt, wodurch aber das Gesamtbild der Kirche beeinträchtigt wurde.
1932 erhielt der Haupteingang zum Schutz gegen Wind und Wetter einen kleinen Vorbau, 1936 wurde eine Warmluftheizung eingebaut, die schon nach dem kalten Winter 1928/29 geplant worden war.
Zu Beginn der 60er Jahre war eine erneute Renovation der Kirche fällig, denn die Malereien an den Wänden waren inzwischen verstaubt und unanschaulich geworden. Um diese Zeit stieg durch das rasche Wachstum der Gemeinde auch die Zahl der Katholiken erheblich an. Die Kirche mit ihren 194 Sitzplätzen war deshalb zu klein, auch wenn an den Sonn- und Feiertagen zusätzlich ein Frühmesse gefeiert wurde. Eine Vergrößerung der Kirche war deshalb zweckmäßig.
Im Herbst 1963 legte das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz einen Plan vor, der die Erweiterung der Kirche in westlicher Richtung hin zur Straße um 8m und in ihrem neuen Teil um je 1m seitlich vorsah. Wegen der verkehrsungünstigen Lage des Gebäudes an der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt der Landstraße 189a stand die politische Gemeinde diesem Vorhaben sehr reserviert gegenüber und macht im Baugenehmigungsverfahren geltend, dass zugleich mit dem Kirchenneubau ein 2m breiter Gehweg vor der Kirche, dem Pfarrhaus und Pfarrscheuer angelegt werden müsse. Verschiedentlich wurde von Vertretern der Gemeinde sogar die Meinung geäußert, das ganze Kirchenschiff gehöre zur Verbesserung der Straßenverhältnisse abgerissen und nördlich des Turmes im Pfarrgarten neu erstellt.
Bildquelle: [A]
Mit den Arbeitern zur Erweiterung der Pfarrkirche wurde am 2. Mai 1964 begonnen. Der Westgiebel und 5,40 m des alten Gebäudes wurden abgebrochen und in fast zweijähriger Bauzeit ein unterkellerter Neubau mit Chor und Sakristei erstellt. Die Kirche wurde dabei um 10,75m in westlicher Richtung verlängert und das Kirchenschiff in seinem Neubauteil um je 1,50m beiderseitig verbreitert. Es Entstand dabei Raum für 414 Sitzplätze im gesamten Kirchenschiff.
Der Chor mit 3 Altären wurde von der Ost- auf die Westseite verlegt, die Empore von der West- auf die Ostseite. Von der Straße abgewandt kam der Haupteingang an den Platz der früheren Sakristei, die nun als Windfang dient. Die früher farbigen Fenster wurden durch bleigefasste Butzenscheiben mit Gussantikglas ersetzt. Bei dieser Baumaßnahme konnte auch die frühere Decke, ein reich gegliedertes Hohlkehlengesims mit 3 Deckengemälden, wovon das mittlere, ovalrunde die Krönung Mariens darstellte, nicht erhalten werden; sie wurde durch eine einfache Holzdecke ersetzt. Die barocke Architektur im Inneren blieb jedoch erhalten. Der Kirchenraum hat eine sehr gute Akustik.
Der neue Teil der Kirche wird durch einen fast 6m hohen Turm gekrönt, der auf eine Spezialholzkonstruktion auf dem quergestellten Dach errichtet wurde und ein kleineres Abbild des Kirchturms ist.
Der Turm [hoch]
Der 28,70m hohe Turm[4] wurde in seinen Grundmauern um das Jahr 1300 zusammen mit der alten Kirche gebaut. Diese hieß damals noch Chorturmkirche, weil sich der Altarraum im unteren Geschoss des Turmes befand.[5]
Bei der Kirchenerweiterung 1964/65 wurde an der Ostseite des Turmes ein zuvor zugemauertes Spitzbogenfenster wieder angebracht und ein Taufkapelle eingerichtet. Bei diesen Arbeiten wurden im Turminneren Wandmalereien wiederentdeckt, die aus der Zeit des Kirchenbaues im 14. Jahrhundert[6] stammen. Sie stellen die Symbole der 4 Evangelisten, Adler, Löwe, Stier und Engel, dar. An der Westseite ist das jüngste Gericht zu sehen, an der Ostseite das Martyrium des Kirchenpatrons St. Leodegar, die Enthauptung einer Heiligen, und an der Südseite St. Wendelin, Judas Thadäus sowei weitere Heilige und Bildnisse, die erste teilweise restauriert sind. An der Nordseite befindet sich das Heilige Grab, eingelassen in eine Mauernische.
1980 wurde damit begonnen, die Turmkapelle wieder in den Zustand zu versetzen, wie sie früher vor dem Bau der Kirche 1728 war. Das Mauerwerk unter dem Rundbogen an der Westseite des Turmes, bisher verdeckt durch einen Beichtstuhl, wurde entfernt und damit ein offener Zugang zum Kirchenschiff hergestellt.
Das etwa aus dem 14. Jahrhundert stammende Sakramentshäuschen, das sich früher an der Nordseite im Kircheninnern befand und 1965 in des westlichen Chorraum verlegt wurde, erhielt dabei wieder seinen ursprünglichen Platz an der Ostseite des Turms. Es ist eine Art Wandschränkchen mit Sandsteinrahmen, 2m hoch und 0,85m breit. Die Nische ist von zwei Pfeilern flankiert, welche nach oben in gefälligen Fialen enden. Spätgotisches Mauerwerk füllt den Raum der Nische aus und ein mit zwei Wappenschildern gezierter, dachartig vorspringender Stein schließt das ganze nach oben ab. Ein spätgotischer Einsenverschluss bilden den Abschluss.[7]
Der Turm hatte bis zum Abbruch der alten Kirche im Jahre 1728 nicht die jetzige Helmform, sondern über dem massiven Viereck ein Satteldach. Beim damaligen Neubau stimmten seine Proportionen nicht mehr mit der neuen Kirche überein. Es wurde deshalb mit einem Oktogon (achteckiges Mauerwerk) angepasst und mit einer Haube augestockt.[5]
1868 war eine Reparatur erforderlich. Beim dazu aufgestellten Kostenvoranschlag wurde der Turm damals wie folgt beschrieben:
"Dieser Turm ist vom Boden bis zu einer Höhe von 52 Fuß massiv von Stein erbaut, ein Viereck von je einer Seite 7 Fuß 3 Zoll misst, von gut gebrannten Backsteinen erbaut ist, 17,5 Zoll hoch, und oben mit einem Backsteingesimse gekrönt. Von da an fängt die achteckige Kuppel nach beiliegender Zeichnung. Die Kuppel ist mit Brettern verschalt und mit eichenen Holzschindeln bedeckt, welche jetzt ganz verwittert sind, daher wird nöthig eine neu Bedeckung herzustellen und zwar von 3 Kreuzblech, welches seinen Zweck entsprechen wird und Kosten von 778 fl 1 kr verursachen wird".[7]
60 Jahre später wurde der inzwischen angerostete Turmhelm mit grüner Farbe gestrichen, doch hatte er zwei Jahrzehnte später an seiner Süd- und Westseite wieder starken Rost angesetzt. Er wurde 1956 erneut grün bemalt und die 60cm große Kugel unter dem Doppelkreuz vergoldet.
Bei der Kirchenerweiterung 1964/65 blieb der Turm in seinem Äußeren unverändert. Nicht nur sein Verputz war unansehnlich, die Holzjalousetten brüchig, sondern am Turmhelm kamen auch die großen Roststellen wieder zum Vorschein. Zudem hatten sich in seinem Inneren Wildtauben eingenistet, die alles beschmutzen.
In dieser Situation regte Oberbürgermeister Friedhelm Möhrle im Frühjahr 1976 die Ronovation des Kirchturms an. Nach Einholung von Kostenvoranschlägen durch das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz stand nur noch die Eigenbeteiligung der Pfarrei offen. Auch dies wurde gelöst; noch im Oktober veranstaltete die Frauengemeinschaft ein Kirchturmfest unter Mitwirkung aller örtlichen Vereine, das einschließlich Spenden über 30.000 DM erbrachte. Der frühere Pfarrer Link steuerte allein 5.000 DM bei. Somit war die Durchführung der Arbeit gesichert.
Mit den Renovierungsarbeiten wurde am 24. Februar 1977 begonnen. Die Mauern erhielten einen neuen Verputz, die brüchigen und wurmstichigen Holzteile wurden ausgewechselt, das verrostete Blech durch Kupfer ersetzt und die Kugel unter dem Kreuz erneut vergoldet. Als am 15. August das Gerüst entfernt wurde, strahlte der Kirchturm in neuem Glanz. Wegen der nun angebrachten zimtroten Kanten am Mauerwerk mussten die vier bereits angefertigten, 1,80m großen Zifferblätter mit vergoldeten Ziffern und Zeigern auf Veranlassung des Denkmalamts Freiburg gegen einfache kleinere schwarze Zifferblätter ohne Zahlen ausgewechselt werden.
Die Glocken [hoch]
Während des Zweiten Weltkriegs mussten im März 1942 die beiden größten der vorhandenen drei Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden. Es waren dies die große Glocke mit 776 kg Gewicht, 109 cm Ø, Gussjahr 1837 und die mittlere Glocke mit 375 kg Gewicht, 80 cm Ø, Gussjahr 1670.
Die älteste Glocke ist dem Kirchenpatron St. Leodegar, Bischof von Autun und Märtyrer, geweiht und trägt auch sein Bild. Auf ihr lesen wir: "Algayer von Costanz gos mich in Fridingen anno 1670. H. Johann Lindtner Pfarrherr, H. Johann Frey Bürgermeister und Verwalter.
Die lebendigen berufe ich,
Die Doten beklage ich,
Den Donner breche ich,
Wer das nicht glaubt, der lese mich."
Die kleinste Glocke war nach mehreren Umgüssen 1830 von Leonhard Rosenlächer von Konstanz neu gegossen worden. Sie wog zuletzt 265 Pfund und trug die Inschrift: "A fulgure, grandine et tempestate, leberea nos domine." (Vor Blitz, Hagel und Ungewitter bewahre uns, Herr.) Sie tat sechs Jahre allein ihren Dienst. Durch den vielen Gebrauch bekam sie einen Riss und erklang dann in zwei Tonarten.
Im Frühling 1948 kam die mittlere Glocke aus dem Glockenlager Hamburg wieder zurück und wurde alsbald an ihren ursprünglichen Platz gebracht. Die Freude darüber wurde jedoch getrübt durch die Kunde, die große Glocke sei verschollen. 1945 bei Kriegsende sei sie noch in Hamburg gewesen.
Unter Pfarrer Julius Link wurden 1956 die Glocken wieder vervollständigt. Am 3. August 1956 erfolgte in Heidelberg durch die Firma Schilling der Guss zweier neuer Glocken als Ersatz für die nicht mehr zurückgekehrte große Glocke und die nun eingeschmolzene kleine Glocke. Am 9. September 1956 wurden sie unter Assistenz von 5 weiteren Geistlichen von Dekan Kaiser, Singe, bei großer Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft eingeweiht. Diese hat für die neuen Glocken trotz der damals noch kargen Zeit eine große Spendenbereitschaft bewiesen.
Die nunmehrige große Glocke mit 706 kg Gewicht hat einen Durchmesser von 100 cm. Sie ist auf den Ton "g" abgestimmt und Christus dem König des Friedens geweiht, dessen Insignien sie auf der Vorderseite trägt. Auf dem oberen Glockenrand steht die Inschrift: "König der Herrlichkeit, komm mit Deinem Frieden".
Die kleinste, Marienglocke, wiegt 304 kg und ist den in beiden Weltkriegen gefallenen und vermissten Söhnen der Pfarrei gewidmet. Sie wird jeden Abend nach dem Angelusläuten als Armen-Seelenglocke geläutet.
Das Gesamtgeläute ist jetzt an Läutemaschinen angeschlossen, so dass das mühevolle Ziehen der Glockenseile durch den Mesner und die Ministranten entfällt.
Quelle: "Hegau"-Sonderdruck 1/2 1966, S. 242, von Pfarrer Link und Gde.Reg. 362/7.
[Hinweis Webredaktion Am 03.03.2013 erhielt die Pfarrgemeinde eine neue, vierte Glocke. Vgl. hier]
Die Kirchturmuhr [hoch]
Ursprünglich besaß die Kirchturmuhr ein hölzernes Uhrwerk und musste oben im Turm täglich neu aufgezogen werden. Trotz häufiger Schwierigkeiten mit der Ganggenauigkeit und zwei größeren Reparaturen in den Jahren 1868 und 1932 (letztere führte der ortsansässige Feinmechanikermeister Erhard Mayer aus) konnte sich die Gemeinde lange nicht entschließen, die Uhr zu ersetzten.[8]
Erst im Notjahr 1946 war es möglich, ein neues Uhrwerk zu kaufen. Durch Vermittlung des Pfarrers Fridolin Graf lieferte die Uhrenbaufirma Gebrüder Schneider, Schonach, ein modernes, elektrisch betriebenes Uhrwerk, das eine Gangreserve aufweist, falls der Strom kurzfristig ausfällt. Als Gegenleistung lieferten die Friedinger Obst aus der damals sehr reichen Ernte, Gemüse, Kartoffeln und andere Esswaren in das Schwarzwaldstädtchen. Damals sollten auch neue Zifferblätter angebracht werden, doch fehlte das nötige Blattgold dazu.
Die Zeiten besserten sich und so konnten 1956 die beiden Zifferblätter an der Nord- und Südseite erneuert werden. Sie hatten einen Durchmesser von 1,80 m, vergoldete lateinische Ziffern und Zeiger, der Untergrund war dunkelgrün. Noch auf einer Entfernung von 1 km konnte die Uhrzeit tagsüber abgelesen werden. Die Kosten mit 1200 DM übernahm die Gemeinde. Sie hat es aber abgelehnt, ein drittes Zifferblatt an der Westseite einbauen zu lassen, wofür 420 DM Mehrkosten entstanden wären.[9]
Erst bei einer Turmrenovation im Jahre 1977 wurde das Uhrwerk auf vier Zifferblätter mit je 1,20 m Durchmesser erweitert, wozu die Stadt Singen einen Zuschuss von 4000 DM leistete.
Die Altäre [hoch]

Auf dem Hochaltar steht der in reicher Vergoldung erstrahlende Tabernakel. Unter den Schnitzereien treten besonders die Ähre und die Weintraube als Sinnbilder des heiligsten Altarssakraments und des Messopfers hervor.
Das Hauptgemälde des Hochaltars stellt den Tod und die Verherrlichung des Kirchenpatrons, des hl. Leodegar, dar. Im siebten Jahrhundert war er ein bedeutender Staatsmann und Kirchenfürst des Frankenreiches. Im Jahre 663 wurde der burgundische Edelmann Bischof von Autun in Burgund. Von politischen Gegnern wurde er - vermutlich am 3. Oktober 678 - enthauptet.
Von der alten, heute noch bestehenden Verbundenheit der Stadtgemeinde Radolfzell mit Friedingen zeugt am Hochaltar das Bild der drei Schutzherren des Gotteshauses in Radolfzell. In der Mitte sehen wir den hl. Theopont, Bischof von Nikomedien, links den hl. Senesius, der mit dem hl. Theopont im Jahre 258 den Märtyrertod gestorben ist, rechts den hl. Zeno, Bischof von Verona, gestorben um 371. Die Reliquien der drei Hausherren befinden sich zum Teil im Münster zu Radolfzell.
Der Nebenaltar an der Epistelseite ist dem hl. Georg geweiht. Darüber ist ein Bild der armen Seelen im Fegefeuer. Auf der Evangelienseite befindet sich der Muttergottesaltar. Von 1898 bis 1978 befand sich auf dem Hauptbild, das die sogenannte Gürtelmadonna mit dem Jesuskind darstellt, das eingerahmte Bild von Maria, der Mutter von der immerwährenden Hilfe, das jetzt einen neuen Platz seitwärts der Wand gefunden hat und nur noch zum alljährlichen Bruderschaftsfest Ende Juni wieder am Altar angebracht wird. In seinem oberen Teil befindet sich das Bildnis des hl. Sebastian.
Die barocke Kanzel, früher im Schiff der Kirche, kam 1890 unter den Chorbogen, direkt über der Kommunionbank. Beide kamen 1965 nach dem Umbau nicht wieder in die Kirche zurück. In einer Mauernische im Chor ist der Schmerzensmann zu sehen, auf der Epistelseite im neuen Teil der Kirche die Statuen des hl. Josef und des hl. Antonius.
Als besondere Kostbarkeit ist noch die Monstranz zu nennen, ferner ein in Silber getriebener und vergoldeter Messkelch, den Pfarrer Gervasius Löhle 1732 der Pfarrei gestiftet hat.
Quelle: Zeitschrift "Hegau"-Sonderdruck 1/2 1966, S. 242, von Pfarrer Link
Zur Geschichte der Orgeln [hoch]

Die erste Orgel erhielt die Friedinger Pfarrkirche im Jahre 1816. Wie das damals so üblich war, besaß diese Orgel einen Blasebalg, der gewöhnlich von einem Schuljungen gegen ein geringes Entgelt getreten wurde. Diese an sich schon mühselige Arbeit wurde durch das Hinzfügen eines weiteren Registers bei einer Reparatur im Jahre 1857 noch erschwert. Da sich daraufhin niemand mehr fand, der den Blasebalg treten wollte, wurde auf Antrag des Stiftungsvorstandes im Jahr 1858 das Entgelt von zwei auf vier Gulden jährlich verdoppelt.
Diese alte Orgel sollte den Friedingern beinahe 150 Jahre dienen.
Nach Erweiterung der Pfarrkirche 1964/65 lohne es sich dann nicht mehr, diese wieder aufzustellen, der Zahn der Zeit hatte zu sehr an ihr genagt. Deshalb wurde 1967 eine gebrauchte Orgel aus Rielasingen erworben und durch die Firma "Freiburger Orgelbau" (Späth) hier aufgestellt. Der Erzbischöfliche Orgelinspektor Konrad Philipp Schuba aus Konstanz meinte damals in seinem Gutachten, dass diese Orgel noch 10-15 Jahre Dienst tun könne. So war es auch.
Da dieses Instrument mit seinen 14 Registern in den letzten Jahren zunehmen größere Mängel aufwies und außerdem das Pfeifenwerk größtenteils aus minderwertigem Material, nämlich aus Zink, bestand, wurde 1978 ein Orgelneubau ins Auge gefasst. Gleichzeitig begann die Pfarrgemeinde dafür zu sparen und brachte in den folgenden 4 Jahren etwa 110.000 DM an Eigenmitteln zusammen.
Im Jahr 1980 stellte der Orgelsachverständige des Landesdenkmalamtes, Bernd Sulzmann, aus Ettenheim fest: "Der beste Teil der gesamten Anlage ist das spätbarocke Gehäuse, das sich mittlerweile am dritten Aufstellungsort befindet." Die Firma Mönch, Überlingen, hatte 1930 diese Orgel für Rielasingen erbaut und das Gehäuse vom Lager genommen. 1967 wurde dann diese Orgel von Rielasingen nach Friedingen transferiert.
Dieses seiner Zierstücke beraubte Gehäuse stammt zweifelsfrei von dem Herbolzheimer Orgelmacher Blasius Schaxel und dürfte 1805 entstanden sein. Mit Sicherheit stammen die Friedinger Gehäuserelikte aus dem Breisgau und höchstwahrscheinlich aus Holzhausen, wo Mönch 1929 eine schon gebrauchte Orgel aus Tengen aufgestellt hatte. Somit dürfte die Herkunft des besten Friedinger Orgelteils feststehen.
Aufgrund dieses Gutachtens entschloss man sich, beim Orgelneubau das historische Schaxel-Gehäuse wiederzuverwenden. Obwohl es aus Eichenholz besteht, war es mit einer weißgrauen Farbe übermalt. Die Zierstücke, nämlich Schleierbretter, Ohren und die klassizistischen Vasen in der Mitte und auf den beiden Türmen fehlten. (Blasius Schaxel, der einstige Erbauer der Orgel, lebte von 1765 bis 1843. Er war aus dem lothringischen Fraize nach Herbolzheim im Breisgau eingewandert, wo er seine Werkstatt aufschlug.)
Am 4.9.1980 genehmigte das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg die Anschaffung einer neuen Orgel, worauf am 18.9.1980 mit der Firma "Feiburger Orgelbau - August Späth" in Hugstetten bei Freiburg der Orgelbauvertag abgeschlossen wurde.
In der Woche nach Pfingsten 1982 wurde die alte Orgel abgebaut. Die Aufstellung der neuen Orgel begann am 10.11.1982. Restaurator Johannes Berger von Bad Krozingen gab dem Gehäuse die ursprüngliche Schönheit zurück. Sämtliche Verzierungen wurden in Anlehnung an andere Schaxel-Orgeln nachgeschnitzt und vom Restaurator vergoldet.
Die zweimanualige Orgel mit ihren 1556 Pfeifen hat 23 Register, Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registratur. Der Spieltisch ist freihstehend.
Die Intonation nach "Kirnberger III" nahm in den letzten Wochen vor der Orgelweihe der Intonateur Eduard Moser aus Hareid/Norwegen vor.
Bei der Disposition ging man im I. Manual von der einstigen einmanualen Schaxelorgel vom Jahr 1805 aus, welche folgende Register enthalten hatte: Bourdon 8', Waldflöte 8', Principal 4', Flöte 4', Nazard 22/3', Mixtur 4-f. 1' und Cornet 5-4. 8'.
Aus der alten Orgel wurden die Register Gamba 8', Saliconal 8' und Subbass 16 wiederverwendet.
Die nun erneuerte und prachtvoll renovierte Orgel wurde am 12. Dezember 1982 durch Dekan Bernhard Adler, Gottmadingen, und unter Mitwirkung des Kirchenchores St. Leodegar in einer von Pfarrer Albrecht M. Wick festlich gestalteten Feier eingeweiht. An der Orgel spielte der Orgelinspekteur und Münsterorganist Konrad Philipp Schuba aus Kontanz in einem sorgfältig ausgewählten Programm Werke alter Meister. Die vielen Gäste von hier und auswärts, welche die Kirche füllten, waren tief beeindruckt von diesem Spiel und der Klangfülle, welche das neue Instrument geboten hat.
2. Pfarrhaus und Pfarrscheuer [hoch]
Am 1836 erbauten Pfarrhaus wurde bis 1976 so gut wie nichts geändert. Als Pfarrer Julius Link es 1974 verließ, besaß es als einzige Errungenschaft der Neuzeit ein einfaches Bad. Die Zimmer, soweit sie beheizbar waren, hatten Holz- und Kohleöfen, teilweise aus wertvollen Kacheln gebaut, die Fenster waren nur einfach verglast. Eine Wertminderung der Wohnung kam dadurch zustande, dass 1964/65 bei der Kirchenerweiterung dem Pfarrhaus an seiner Südseite das Licht weggenommen wurde.
Anlässlich der Zuweisung eines neuen Pfarrers 1976 wurde das Pfarrhaus gründlich modernisiert und auch umgebaut. Zunächst war vorgesehen, das alte 140jährige Gebäude wegen seiner nicht gerade idealen Lage abzureißen und es weiter hinten im Pfarrgarten neu zu erstellen, den die Kosten für einen Neubau wären nicht wesentlich höher gewesen. Diese Absicht scheiterte jedoch am Einspruch des Denkmalamtes: das Pfarrhaus samt Pfarrscheuer stehen unter Denkmalschutz.
Bis zu Beginn der 70er Jahre befand sich auf dem nördlichen Kamin des Pfarrhauses ein Storchennest, das allerdings letztmals 1953 benutzt wurde. Das Ausbleiben der Störche ist sehr wahrscheinlich auf die Trockenlegung der Feutchtwiesen und den damit verbundenen Rückgang der Frösche, ihrer Hauptnahrung, zurückzuführen.
Neben dem Pfarrhaus steht die Pfarrscheuer, welche sicher viel älter als das Pfarrhaus ist. Ihr Bauzustand hat sich in den beiden letzten Jahrzehnten verschlechtert, vor allem was den Zustand des Daches und des Innengebälkes betrifft, seit sie ab 1960 nicht mehr zum Einlegen von Heu und Stroh benützt wird. Bis dahin sorgte der Benützer dafür, dass defekte Ziegel und Schindeln nachgesteckt wurden. Einzig der prachtvolle Efeu am Nordgiebel gibt dem Fachwerkgebäude noch eine besondere Note.
Am 19. Juni 1982 stürzte ein Teil des östlichen Daches der Pfarrscheuer ein. Vor Wintereinbruch wurde dieser Teil mit Plastikplanen provisorisch abgedeckt. Das Landesdenkmalamt und die Baubehörden verlangten alsbaldige Reparatur. Wer jedoch die entstehenden hohen Kosten dafür aufbringen wird, ist nach wie vor ungeklärt. [Anm. der Webredaktion: Die Pfarrscheune wurde mittlerweile renoviert]
3. Grabdenkmäler [hoch]
An der früheren Chorwand der Epistelseite - jetzt unter der Empore - befindet sich das Epitaph[10] des Erbauers der Kirche mit Totenkopf und Kelch und der lateinischen Inschrift: Am Fuße des Altares ist beerdigt Gervasius Löhle über 30 Jahre seeleneifriger Pfarrer von Friedingen. Frieden und ewige Ruhe Alter 69 Jahre (gestorben 1737).
Gegenüber auf der anderen Seite ein zweites Denkmal mit der Inschrift: Von Galliens Horden vertrieben ruht hier sanft und entfernt von den Seinen Josef Fidel Graf von Thurn und Waldssassina: Herr zu Bildegg und Obrist in Spanischen Diensten, geboren den 7. August 1731, gestorben den 11. März 1795. Die Thränen seiner zwei hinterlassenen Töchtern, Frey-Frau von Pfürth und Frey-Frau von Auffenberg geborene Gräfinnen von Thurn und Waldsassina benetzten seine Asche. 1817.
Der Gottesacker lag Jahrhunderte lang um die Pfarrkirche. Als 1838/39 außerhalb des Dorfes ein neuer Friedhof angelegt wurde, sind fast 40 Jahre später, im Jahre 1876, die Grabmahle auf dem alten Friedhof entfernt worden. Einige wenige hat man an der Südseite der Kirche aufgestellt, die dann 1964 bei der Kirchenerweiterung ganz abgetragen wurden.
4. Bruderschaften [hoch]
Bereits in der Zeit vor 1800 bestanden in der hiesigen Pfarrei einige Bruderschaften. Es waren dies seit 1558 eine Georgsbruderschaft, aufgelöst um 1800 durch die Regierung, eine Armenseelenbruderschaft, eine Gürtelbruderschaft zur Muttergottes und eine Sebastiansbruderschaft.
Von der früheren Existenz dieser Bruderschaften zeugen bis heute die Bilder auf den Seitenaltären.
Seit 1889 besteht hier eine "Maria-Hilfs-Bruderschaft". Sie wurde mit folgendem Wortlaut hier eingeführt:
"Bruderschaft unter dem Titel und der Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria von der immerwährenden Hilfe und des heiligen Alfonsus Maria von Liguori, canonisch errichtet und der gleichnamigen Erzbruderschaft appretiert in der Pfarrkirche zu Friedingen am 18. August 1889 unter Pfarrer Alois Forster dahier.
An diesem Tag wurde unter großer Feierlichkeit eine geweihte echte Kopie des Gnadenbildes von der immerwährenden Hilfe Mariae in der Kirche des hl. Alfonsus in Rom hier in der Pfarrkirche St. Leodegari aufgestellt. Laut Breve vom 8. Mai 1889 soll das Hauptfest der Bruderschaft am Sonntag vor St. Johann Baptist Geburt (24. Juni) feierlich begangen werden. […]"
Diese Bruderschaft fand regen Zuspruch, selbst von weither. In ihr Verzeichnis ließen sich allein innerhalb der nächsten 3 Jahre 1466 Mitglieder eintragen, nicht nur solche vom Ort, sondern auch von den umliegenden Gemeinden Beuren an der Aach, Volkertshausen, Steißlingen, Überlingen am Ried, Hausen an der Aach, ja dem ganzen Hegau, von der Höri, selbst aus Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Aschaffenburg, Schlesien und der Schweiz sind Namen verzeichnet. 10 Jahre nach Einführung dieser Bruderschaft hatte diese bereits 2000 Mitglieder, dazu kamen in den Folgejahren besonders viele Zugänge aus Bonndorf/Schwarzwald. Ende des Jahes 1909 umfasste das Verzeichnis 2.999 Namen.
Der Zugang verlangsamte sich dann während des 1. Weltkrieges und in der Zeit danach. 1934 wurde das letzte Bruderschaftsmitglied unter der Nr. 3315 aufgenommen. Es war aus Volkertshausen.
Ab Kriegsjahr 1917 wurde die Feier dieses Festes wegen der Heuarbeiten auf den 2. Sonntag im Juli verlegt.
Zur Maria-Hilfs-Bruderschaftsandacht an diesem Sonntagnachmittag kamen jährlich bis Ende der 1960er Jahre sehr viele Pilger aus den umliegenden Gemeinden, um vor dem Gnadenbild zu beten. Bis um diese Zeit wurde zur Beichte und zur Predigt ein auswärtiger Pater zugezogen. Günstiges Wetter vorausgesetzt, war bis 1933 die Predigt im Freien auf dem Kirchplatz und der Straße unter dem Lindenbaum.
An jedem 2. Sonntag im Monat war Andacht zu immerwährenden Hilfe Mariens, bei der Gebete aus dem Bruderschaftsbüchlein gebetet wurden. Dieser Brauch ist seit 1974 dem Priestermangel zum Opfer gefallen. Das jährliche Hauptfest wird noch gefeiert […]
[Anmerkung der Webredaktion: Das Fest wird heute als "Maria-Hilf-Fest" am 1. Sonntag im Juli gefeiert.]
Ende der Abschrift
Quelle : "Neuere Geschichte von Friedingen (19. und 20. Jahrhundert)", Band VIII Beiträge zur Singener Geschichte, Alfred Hubenschmid, 1986, Kapitel 8, Hrsg. Stadtarchiv Singen, ISBN 3-921413-30-3
Bildquellen:
[A] "Neuere Geschichte von Friedingen", Abb. 33/34
Andere Bilder sind Eigenmaterial


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